Absinto Orkestra – ja was spielen die denn nun?

Sieben-Viertel-Rhythmus mit Orchester und dem Sologitarristen Joscho Stephan

Was spielen die denn nun, Klezmer oder Balkan? Die Frage hätten sie nun schon so oft gehört und nie hätten sie es beantworten können, versichern Joachim Schappert und Stefan Ölke. „Irgendwie“ habe sich ihr eigenes Ding entwickelt, sagen die zwei Gitarristen, die schon vor der Gründung des Absinto Orkestras gemeinsam musizierten, und das noch bevor die „Balkanhochzeitsbandwelle“ mit Fanfare Ciocarlia als einem ihrer prominentesten Vertreter den Dancefloor geflutet habe. Genau gesagt sei die Band aus einem Theaterprojekt am Rüsselsheimer Stadttheater entsprungen, dem Musizieren zum Stück „Vogels Hochzeit“.

Ausklinken zur Raserei

Absinto Orkestra verschmolz Klezmertöne mit Balkanbeat, russische Volksweisen, Santana, Hendrix, Zarah Leander und Star-Trek-Jingle zu einem feurigen Amalgam. Ohne den Gypsyjazzgitarristen Joscho Stephan hätte das spielfreudige Ensemble vielleicht nie den Weg an den Hürther Jazzkeller gefunden.

„Vor allem im Rhein-Main Gebiet bringen wir unser Publikum zum Ausklinken, zur Raserei“, erläuterte Stefan Olke auf der Bühne. Ein Vorhaben, das doch sicher auch in Hürth umzusetzen sei, wünschte sich noch Joscho Stephan. Beste Voraussetzungen dafür schienen auf dem Hof der alten Schule gegeben, nämlich mit dem Ausschank von Absinth an der Haupttheke und Karl-Heinz und Isolde vom Jazzclub, die an der eigens eingerichteten Biertheke darauf brannten, ein Fass Kölsch leer zu machen.

Jazzklub fordert immer Neues

Nach eigenen gefühlten „40, 50, 60 Auftritten“ im Jazzkeller fordere der Jazzklub immer neues von ihm, da habe er jetzt die Absintos mitgebracht, mit denen er seit 2012 musiziere, empfahl Joscho Stephan die Band. Rund 250 waren seiner Empfehlung zum Openair gefolgt. Sie erlebten den Geiger Johannes Reinig, den russischen Kontrabassisten Pavel Klimashevsky, den Sopransaxophonisten Francois Heun und die Gitarristen und Sänger Stefan Olke und Joachim Schappert als spielfreudiges Ensemble mit einem ganzen Bündel erfrischender, wie tanzbarer musikalischer Ideen.

Joscho Stephan hatte im Gespräch noch vor dem Konzert mit einem Augenzwinkern seine Rolle als „Sologitarrist“ definiert, der keine Ahnung habe wie man den in der Balkanmusik so weit verbreiteten „Siebenviertel-Rhythmus“ zähle, Hauptsache die anderen wüssten es.

Nuage

Und er werde als Gitarrist aus der Schule Django Reinhardts, natürlich ein Solo spielen, nämlich dessen Komposition „Nuage“. Alle Register eines Meistergitarristen zog Joscho Stephan in seiner Gypsyswing-Einlage. Eine so zupackende wie behutsame Intonation ließ er dem verträumten Stück angedeihen und schraubte noch im Spiel die Basssaiten seines Instrumentes zu ungeahnten Tiefen hinunter, dass es mucksmäuschenstill blieb, noch nachdem die letzten, zarten Töne verklungen waren.

Nur nicht aus Liebe weinen

Umso rauher gebärdete sich bisweilen das Absinto Orkestra mit wilden Gesängen, schwirrenden Klangduellen zwischen Geige und Saxofon, Saxofon und Schlaggitarren oder Ausflügen in die mazedonische Volksmusik mit „Jovano Jovanke“. Im „Star Trek“ Filmtrailor spielen sie im frei improvisierten Spiel auf die Weiten des Universums an, im „Absint Teckno“ zeigen sie wie elektronisch Geige, Bass oder Mandoline klingen können. Echte Freundschaft mit ihrem Publikum schlossen die Musiker außerdem mit einer süffigen Version von „Nur nicht aus Liebe weinen“, das viele aus voller Kehle mitsangen.

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