Herbert Poëtes ist tot

Nachbar mit einer Ader für altehrenwerte Stadthäuser

Nach kurzer, schwerer Krankheit ist der Brühler Herbert Poëtes am Morgen 19. Juni 2020 gestorben. Ein jähes Ende findet damit unsere kurze Bekanntschaft. Erst im Sommer vor zwei Jahren habe ich ihn als Vorsitzenden des Museumsvereins kennengelernt. Dort gab er sich gleich, ganz verbindlich, als „Nachbar von gegenüber“ zu erkennen. Wenig später schon, saß er an einem Sonntagmorgen – noch vor meiner morgendlichen Bartrasur – bei uns am Küchentisch, recht energiegeladen und in seiner typischen, lebensbejahenden Art. „Man muss doch wissen, mit wem man es zu tun hat“, sagte er da in seinem immer etwas polternden Tonfall.

Damals ging es ihm um den Umzug der Milchbar in der Carl-Schurz-Straße. Als einschlägiges Beispiel einer Wirtschaft der 1950er Jahre wurde sie ja mittels Schwertransport in das Freilichtmuseum Kommern gebracht. Der Erhalt dieser von ihm heiß geliebten und frequentierten Örtlichkeit als Museumsexemplar war eines von vielen Werken, die Herbert Poëtes in Sachen Erhalt von altehrwürdigen Brühler Häusern angestoßen hat.

Denn „Flächensanierung“ habe Ende der 1970er Jahre das Stichwort der Brühler Ratsherren geheißen, als der Kaufhof in die Innenstadt zog, hatte sich Herbert Poëtes bei unserer ersten Begegnung erinnert. Deren Pläne, Häuser abzureißen und  Straßenschluchten als Zufahrt zum Kaufhaus zu erschließen, habe unter der Regie des Künstlers Günter Krüger zur Geburt der Initiative „Rettet Brühl, jetzt“ geführt. Die Kempishofstraße habe man damals zur „Hauptverkehrsstraße“ ausbauen wollen.

„Heute ist die Kempishofstraße zum Aushängeschild der Schlossstadt geworden. Es kam zur Initialzündung für die Nachbarn. Alle fingen an ihre Häuser zu sanieren.“

Herbert Poëtes, Vorsitzender des Museumsvereins

Er sei, damals in seinen jungen 30ern in Demos, beim Verteilen von Handzetteln und bei Aufrufen zu Unterschriftenaktionen im Kampf um den Erhalt von alten Häusern dabei gewesen, erzählte er mir. Die Initiative habe damals herbe Rückschläge einstecken müssen, wie beim Abriss der Villa König am Ende des Mühlenbachs, unter dem Strich aber hatte sie Erfolge verbuchen können. So die Rettung des Hauses Nr. 15 in der Kempishofstraße. Ein altes Fachwerk, „total heruntergekommen und damals hinter Putz“ hatte sich als Bürgerhaus aus dem 18. Jahrhundert von einigem historischen Wert erwiesen und soll der Sitz des damaligen Schlossbaumeisters Michael Leveilly gewesen sein.

Die Initiative mündete in der Gründung der Museumsgesellschaft e. V., zu deren Gründungsmitgliedern der spätere Vorsitzende Poëtes zählte. Ein Verein, der über 500000 D-Mark Kapital von der Kulturstiftung Nordrhein-Westfalen zur Renovierung des heutigen Museums für Alltagsgeschichte erhielt und dafür mit der Stadt eine Erbbaupacht über 30 Jahre abschließen konnte.

„Heute ist die Kempishofstraße zum Aushängeschild für die Schlossstadt geworden. Es kam zur Initialzündung für die Nachbarn. Alle fingen an ihre Häuser zu sanieren“, erinnerte sich Poëtes. Ähnlichen Erfolg verbuchte die Museumsgesellschaft beim Haus Nr. 10.

Die ehemalige Stellmacherei einer Privatperson nutzt die Gesellschaft heute als Keramikmuseum mit historischen Exponaten, aber auch als gemütliches Bistro und Café. Seine ehrenamtliche Tätigkeit zum Erhalt der zwei alten Brühler Häuser habe sich gelohnt. „Das ist was Bleibendes“, sagte der Rechtsanwalt für Arbeitsrecht. Er beziehe zwar Rente sagte der damals 65-jährige, aber er arbeite weiter, im Beruf sowie im Ehrenamt: „Sonst ist mir viel zu langweilig und es gibt noch so viel Schönes zu tun.“

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