Der „letzte Beatle“ zur Musik mit Aussicht

Der gemeinsame Nenner in der „musikalischen Sozialisation“

Hätten nicht alle gewusst, dass später auch noch Purple Schulz auf die Bühne kommen würde, so hätte es mit Songs von der LP „Rubber Soul“ wie „Norwegian Wood“ oder „Nowhere Man“ und Dieter Kirchenbauer an der akustischen Gitarre wie ein langer Abend am Lagerfeuer werden können.

Die vertrauten Akkorde klangen versöhnlich über die Tischgruppenverteilung nach Corona-Verordnung mit 200 Zuhörern am Elsdorfer Forum Terra Nova, am Rande des Tagebau Hambach. Und war auch an Singen und Tanzen nicht zu denken, so nutzte Kirchenbauer geschickt die Nischen, wie Rückwärtspfeifen, Summen, Klatschen und jene Form des Sitztanzens auf die Rheinländer sich sowieso verstehen, das Schunkeln auch im Dreiviertel-Takt.

„The last Beatle“ hatte Kirchenbauer das Konzert am Tagebaurand in Terra Nova getauft und er hatte Musiker aus seiner Hard Day‘s Night Band mitgebracht wie den Multiinstrumentalisten Stephan Böhmer, der den typischen Beatles-Bass dabei hatte, nämlich den Violinbass von Höfner, sein Saxophon, seine Concertina ließ er leider unbenutzt. Ein Wiedersehen gab es auch mit Schlagzeuger Vincenz Deckstein, der mit seinem Spiel eines ganz bestimmten Instrumentes, Kirchenbauers Frage nach dem „wichtigsten Instrument der 1960er Jahre“ beantworten konnte, dem Tamburin. Überall, wo es galt den Beat ganz nach vorne zu bringen, wurde es gebraucht: Day Tripper, Drive my Car, Ticket to Ride …. 

Tambourin Man

„Genau gesagt ist es bei Vincenz ein Schellenbaum“, so Kirchenbauer. Seinen Spitznamen zumindest für diesen Abend hatte Deckstein weg, er war der „Mr. Tambourin Man“. Kirchenbauer erweckte den frühen Gitarrensound der Beatles mit einer alten Rickenbacker, eine E-Gitarre, die im Spiel einige Macken offenbarte. „Eine typische ,Star Club‘-Gitarre, die ist noch ein bisschen launig“, kommentierte der Gitarrist. Titel wie „Lady Madonna“ und „While my Guitar“ spielte das Trio.

Beatles aus der Klangwerkstatt mit Dieter Kirchenbauer, Stefan Böhme und Vincenz Deckstein (v.Ln.r.).

Auf die Beatles als den gemeinsamen Nenner ihrer „musikalischen Sozialisation“ einigten sich dann auch Purple Schulz und Kirchenbauer. Vermisst habe er in letzter Zeit den Blick von der Bühne und „so viele Menschen lächeln zu sehen“, sagte Schulz. Für das Spiel im Duett mit Kirchenbauer hatte auch er „Lagerfeuermusik“ ausgegraben: „Let it be“ oder die Sean Connery Version von „In my Live“, zu hören im gleichnamigen Beatles-Album ohne Beatles, produziert von George Martin. Da entlockte Schulz seinem Keyboard spinettartige Klänge.

Überhaupt, welches war die erste Beatles LP von Purple Schulz? Naja, er habe zwei ältere Brüder, da habe er wohl die „Rubber Soul“ als erste gehört. „Ich hatte das rote zuerst. Ich dachte, die haben nur die zwei, das rote Album und das blaue“, gab Kirchenbauer zum Besten.

Biografisches

Aber Purple Schulz Auftritt am Rande des „großen Loches“ hatte nicht allein die Fab‘ Four im Blick. Er erzählte Biografisches. Er machte die Zuhörer vertraut mit seiner höchst katholischen Oma Gertrud aus Mönchengladbach, die ihm zur Kommunion „etwas großes Braunes“ hinter die Milchglasscheibe zum Wohnzimmer stellte. Das habe sich nicht, wie zunächst befürchtet, als eine „hölzerne Gebetsbank“ entpuppt, sondern als Klavier.

Purple Schulz

Und da sei seine erste Klavierlehrerin gewesen, Käthe Bauer am Gereonshof. Mit einem langen Lineal habe sie – patsch – die Finger ins Visier genommen, wenn sie eimal nicht ganz richtig auf den Tasten lagen. Aber Bach habe er bei ihr kennengelernt, der „Akkorde wohl direkt aus dem Himmel“ bezogen habe.

Und mit ähnlichen Akkorden ausgestattete Songs gab Purple Schulz zwischen „Across the Universe“ und „Long and Winding Road“ solo zum Besten. Es waren Oldtimer wie „Kleine Seen“ oder „Immer nur Leben“, oder „Gespräche mit Gott“ und sein Udo Jürgens Lieblingslied „Bis ans Ende meiner Lieder“: „Ich will den Text, der sich was traut, ich will das Wort so wie ein Schwert…“

Danksagung

Honorare

„Get Back“ von allen vier Musikern, ihre Danksagung für die „voll gedeckelten Honorare“ an die Elsdorfer Stadtverwaltung und Sponsoren und ein Ausblick auf die kommenden drei Sommerkonzerte, immer sonntags am Forum Terra Nova, rundeten den Konzertabend ab. 

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