Analogue Birds zwitschern, brummen, krachen an der Wasserburg Geretzhoven

„So lange der Atem reicht“

Wie ein Relikt aus grauer Vorzeit ruht das meterlange Didgeridoo von Tom Fronza in seiner Klangschale mit dem Tonabnehmer. Dahinter der Musiker selbst mit dem Mund am Horn, „so lange der Atem reicht“. Die Finger hat er auf den Tasten eines Midicontrollers und die Füße auf dem Steuerungsgerät für Looper und Sequencer am Boden. Ein Rechner dient zur Synthese aller Klänge. Panflöte, Maultrommel und eine elektronische Trommel wie ein Tabla ergänzen das Setup. Die Musik habe er zunächst als One-Man-Show einstudiert, verrät er später.

Ein ganzes Arsenal elektronischer Pedale und Regler für seine E-Gitarre findet sich zu Füßen des Gitarristen Alexander Lipan. Ab und an, immer, wenn es um Ethnoklänge geht, wie im Stück „Brainticket“, das Fronza schon mal „Döner Clavé“ oder „Baklava Beat“ nennt, nimmt der Gitarrist auch seine Oud, eine orientalische Kurzhalslaute, vor die Brust. An einem ganz normalen Schlagzeug, wie es scheint, spielt David Bruhn. 

Alexander Lipan

Das Trio aus Herford nennt sich „Analogue Birds“ und es sind analog erzeugte Klänge aus ihren Instrumenten, die sie als Ausgangsmaterial für die Schaltkreise ihrer Elektronik bis hin zu den digitalen Schleifen ihres Rechners verwenden. Als bunte Mischung zwischen „Funk, Jazz, Rock, Fusion und Ehtno“ bezeichnet Tom Fronza ihre Musik.

Sie erinnert an Jazzrock a la Miles Davis „Live Evil“ ebenso, wie an späteren Bristol „Trip Hop“ nach Art der Band Massive Attack. Da kündigt Fronza eine Hommage an den Break-Beat vergangener Tage an, mit dem Unterschied, dass die Beats aus einem echten Schlagzeug stammen, und eben nicht aus dem Sampler. Oder sie spielen in „Moondock“ einen „Duff Duff“, „so nennen die Australier lautmalerisch ihre Techno-Partys“, wie Fronza, der Jahre in Down Under lebte.

„Baklava Beat“ und „Duff Duff“

Die Rhythmen, garniert mit schweren Bässen aus dem Tasteninstrument unter Fronzas Fingern, animieren die Leute in zum Tanzen. Viele Songs hätten sich auch zum Chillen gut auf einer jener Goa-Partys gemacht, fällt Alyn auf, dem Gastgeber des Corona-Solidaritätskonzertes zugunsten der Musiker.

Analogue Birds aus Herford

Zwischendurch gibt Tom Fronza eine Einführung in das Spiel des Digeridoo. Da geht es um die Kunst verschmelzender Obertöne durch Lippenspannung, dem Einsatz der Stimme, percussive Trompetentöne, Zirkularatmung und sogar Beatboxing sowie Fingerstöße direkt aufs Rohr. 

Kurz vor der Schlussnummer geben die drei in „Aggro Agrar Agave“ richtig Gas. Zu einem treibenden, schnellen Tempo bieten die Vögel aus Herford alles auf, was sie aufzubieten haben. Da zwitschern sie ähnlich den Lauten eines putzigen Robot R2-D2, machen Töne, die an brummende Instrumentenkabel erinnern, Fiepen wie bei der Sendersuche an einem Dampfradio und klingen auch schon mal nach lautmalerisch rauschenden Flüssen.

Die Zuhörer bedanken sich mit viel Applaus für die feurige Musik und auch die Musiker freuen sich wieder einmal in „lächelnde Gesichter“ zu schauen.

Musikalische Kostproben im Netz gibt Tom Fronza hier weiter https://soundcloud.com/umlaut-recordings/sets/analogue-birds und hier https://analoguebirds.bandcamp.com/ und hier geht noch zur Homepage https://umlaut.de

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