Kölsche Tön a la Steickmann/ Münzel im Kulturbahnhof

Erste Veranstaltung der BM-Cultura nach Coronapause

„Elfie und ich sind die großen Verlierer“, beklagte sich Andreas Münzel mit einem Schmunzeln und Klopapier habe sich auch nicht als große Geldanlage erwiesen. Mit einer Sammlung von Ausdrücken über den Stofflappen, der die Gemüter erhitzt, beendete Münzel schon bald den kurzen Corona-Teil des Programms: „Schnutenpulli“ aus dem Nordischen, „Maultäschle“ im Schwäbischen oder „Schwadlappe“ im Kölschen.

Womit Münzel und Elfie Steickmann am Sonntagabend schon bei ihrem eigentlichen Thema angekommen waren, nämlich der kölschen Mundart in Liedern, gespielt an Münzels elektronischem Klavier und zeitgenössische Verzällche aus Elfie Steickmanns Feder.

Eine kleine Schar begrüßte Programmdirektor Schobbe Vois zur ersten Veranstaltung der BM-Cultura nach der Corona-Pause im Kulturbahnhof Gleis 11, eine Nachholveranstaltung. Aber in einem kleinen Kreis könne es auch „schön“ sein, brachte Münzel selbst es auf den Punkt.

Vom Steckenpferd des kölschen Menschen

Münzel sang gern vom Steckenpferd des Kölschen. Der reise gerne exotisch: „Kluburlaub mit dä Blage“ an die „Bal- Bal- Balearen“ zu Vino Tinto und Mare oder zum „Bal- Bal- Balaton“. Sein nächstes Lied ging übers „Driss Wedder“. Bei derzeitigen Reisewarnungen und der herrschenden Heißwetterperiode mischte sich doch die Sehnsucht der Zuhörer nach Normalität in die humorvollen Texte. Zeilen wie „wat nass weed, weed widder drösch“ erlebten Zuhörer wie ein Versprechen auf bessere Zeiten.

Elfie Steickmann zitierte vor der Lesung aus ihrem Buch „Och dat noch“ zunächst einmal ganz genießerisch Eichendorffs „Mondnacht“, „Gedichte mussten wir auswendig lernen, Bücher lesen“, Heute dominiere das Mobiltelefon. In einer Kirche habe sie einen Text gelesen, adressiert an die Besucher mit der Bitte ihr Mobiltelefon auszuschalten, denn „er (Gott) wird sie kaum anrufen“. Und „wenn sie ihn sehen wollen, schicken sie ihm eine SMS während der Autofahrt.“

Vom Feenstaub der Männer

Neben Geschenkgutscheinen, die sich im Nirvana auflösen, und Yogaschnupperkursen mit „Fraulöck“ unterschiedlichen Alters und Figur betrachtete sie gerne die Männer mit liebevoll, kritischem Blick. Preiste Sägemehl als „Feenstaub der Männer“ oder tadelte ihre Farbenblindheit, wenn es um diverse Farbtöne wie „Pflaume, Aubergine und Malve“ geht.

Münzel trällerte bekannte Lieder von Ostermann, Berbuer und den eigenen Blues zum Thema „Dä Lack es aff“. Und er steigerte „Ich hann die Frau janz jähn“, wie der Kölsche seine Liebe beschreibe, mit „ärsch jähn“ und „ärsch, fies jähn“.

Vom Jäger us Kurpfalz

Steickmann hatte einen ihrer jüngsten Texte mitgebracht. In „Wä sök Wä“ suchen sich Karnevalspaare nach der jecken Zeit per „Annonce im Wochenblatt“ in Reimen. Beispielsweise: „E söß Müüsje us Wahnheide/ waat jester noch ne „Augenweide“/ sök dat Engelche met Baat/ wat aan Kölsch nit hät jespart.“

Oder: „En Elfe met janz krulle Löckcher/ em Minirock met Minisöckcher/ hatt Spass am ,Jäjer us Kurpfalz‘/ hädden dä jän jet mih am Hals.“

http://www.elfi-steickmann.de

http://www.koelsche-kleinkunst.de

https://medio-rhein-erft.de

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