Brühl Tourismus: Lebensstationen von Max Ernst mit dem Smartphone entdecken

Augmented Reality für Verwendung im öffentlichen Raum

Neugierig sind sie alle auf den neuen Blick auf Bilder und Texte, die im Max-Ernst-Rundweg auf dem Bildschirm eines Smartphones mit der tatsächlichen, sichtbaren Welt verschmelzen, als wären sie Teil derselben. „Augmented Reality“ nennt sich, was da passiert, übersetzt so viel wie „erweiterte Wirklichkeit“.

Noch ein Prototyp

Ein handverlesener Kreis von Gästen durfte schon mal reinschnuppern in die neu geschaffene digitale Welt rund um den Surrealisten Max Ernst. Es sind Menschen, die für Brühler Kultur stehen wie Gaby Zimmermann vom Brühler Kunstverein und der Kulturausschussvorsitzende Hanns-Henning Hosman und solche, die die Digitalisierung der Stadt „auf dem Weg zum Tourismus 4.0“ erklärtermaßen vorantreiben möchten, wie Sascha Lehner oder Andreas Esser vom Verein „Brühl digital e.V.“. Männer und Frauen aus der Verwaltung sind dabei wie Nora Schenk vom Veranstaltungsteam der Stadt und natürlich Journalist:innen.

Ähnlich wie beim Scannen eines QR-Codes halten sie die Smartphone-Objektive über Symbolbilder, die am Boden von zwei Probelaufstationen aufgeklebt sind. Durch ein hilfreiches Fingertippen auf den Startbutton setzen die Mitarbeiterinnen der Abteilung Brühl-Tourismus die Software in Gang. Seit Monaten schon sammeln und sortieren Alina Schwalb und Hannah Grob Fotos, Bilder und Textinhalte für die virtuelle Ausstellung.

Max Ernst in Texten und Bildern

Alina Schwalb führt am Leamington-Spa-Platz in die digitale Darstellung von acht Bildern aus der städtischen Sammlung „Junge Kunst“ ein,  es sind Werke von Preisträgern der Max-Ernst-Stiftung.

Hannah Grob setzt die Software am Max-Ernst- Brunnen vor dem Rathaus in Gang. Und vorausgesetzt man peilt hier mit dem Smartphone an der richtigen Stelle in die richtige Richtung, etwa auf eine der Schildkröten, dann kann man lesen wie Max Ernst Löffel, Teller und Schüsseln, also einfache Haushaltmaterialien, zur Gestaltung der Tierskulpturen benutzte. Es sind Fotos mit erläuternden Texten jenerBrühler Delegation zu sehen, die Max Ernst in Frankreich um die nochmalige Fertigung einiger Brunnenfiguren in Amboise für eine Brühler Version ersuchten. Oder Betrachter:innen können das fotografische Abbild der lebensgroßen Brunnentorte bewundern, die Konditormeisterschüler zum 100. Geburtstag von Max Ernst auf dem Marktplatz vor dem Rathaus auftischten.

Alina Schwalb (r.) hilft beim Starten der App.

Außerdem erscheint da ein lebensgroßes Porträt des Künstlers auf dem Bildschirm, gezeichnet von Willi Frommberger. Ein Portrait, das ebenso plötzlich wieder weg gewesen sei, wie es auftauchte, schildert der Kulturausschussvorsitzende Henning Hosmann. Zur Präsentation des Software-Prototyps zum Max-Ernst-Rundweg teilte er sich ein Mobiltelefon mit Wilfried Becke, dem Fachbereichsleiter für Ordnung und Kultur. Auf der Treppe zum Rathaus gehen die zwei, mit festemBlick auf dem Bildschirm in die Knie, denn da in Bodennähe gibt es augenscheinlich etwas zu lesen.

Vorsicht Stolperfallen

Bei der Erkundung der Umgebung des Brunnens durch den Bildschirm mittels Augmented Reality lernen die Teilnehmer bald, dass es sich lohnt doch noch Treppenstufen und Wasserbecken im Blick zu behalten, möchte man sich doch die Knie nicht aufschlagen oder gar ein Bad nehmen.

Die Suche nach Motiven der „augmented reality“, auch am Boden oder über der üblichen Blickhöhe sei Teil des interaktiven Geschehens, und stelle in etwa die Situation in einem Museum dar, da gebe es oft auch am Boden oder in versteckten Winkeln noch Dinge zu entdecken,erläutert Axel Steinkuhle, „Chief Executive Officer“ der Kölner Entwicklerfirma für Virtual Reality und Augmented Reality „Evrbit“. Als „wunderbar“ sah er den Stapellauf des Prototyps mit Gästen an zwei echten Spielplätzen der zukünftigen App an. Da zeige sich „was funktioniert gut, was schlecht“. Insbesondere bei potentiellen, echtenStolperfallen in der Stadtarchitektur, gebe es hier noch Bedarf zum Nachbessern. Bei Pokemon GO seien gar Menschen von Klippen gesprungen, gibt der Softwareentwickler zu bedenken.

Auch am Boden gibt es Schrift- und Bildtafeln zu sehen.

„Die Entwicklung einer solchen App für den öffentlichen Raum ist einmalig“, sagte Axel Steinkuhle. Bislang sei sie bei Ausstellungen von Kunstwerken oder zur Funktionserläuterung von Maschinen in Industriehallen zur Anwendung gekommen. Entscheidend sei auch das Handwerk der Softwareentwickler zum Gelingen der Technik so weit zu optimieren, dass die Technik buchstäblich verschwinde und für „Leute da draußen zur Magie“ werde.

Messingplatten im Boden als Startpunkte

Bis Ende des Jahres, vielleicht Anfang des kommenden Jahres wird es noch bis zur Veröffentlichung der App dauern. Bis dahin müsse die Stadt auch noch einige Veröffentlichungsrechte, beispielsweise für verwendete Bilder klären, erläuterte der Kultur- und Tourismusleiter Oliver Mülhens.

Schilder und Startpunkte müssten zunächst unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes an zehn Motiven untergebracht werden, so Steinkuhler. Denkbar sei das Einlassen von Messingplatten mit den Bildmotiven zum Starten der App ins Bodenpflaster. Es sind Orte wie das Geburtshaus von Max Ernst in der Schlossstraße, wo die Zeitreise in die 1890er Jahre beginnt, das Schloss Augustusburg oder die dortige Kirche St. Maria von den Engeln.

Jede Station widme sich einem besonderen Lebensabschnitt von Max Ernst und rege zum Nachdenken oder Schmunzeln an, sagteBürgermeister Dieter Freytag. Der neu entstehende Rundweg setze einen neuen Impuls für das Reiseziel Brühl und der digitalenWeiterentwicklung. „Mit Augmented Reality kann man Erlebnisse an schönen, naturbelassenen Orten schaffen, ohne dort groß eingreifen zu müsssen“, sagte Sascha Lehner vom Verein „Brühl digital“, der erst kürzlich die „Hiero Brühl App“ zur Stärkung des Brühler Handel vorstellte. Er stellte eine Integration beider Apps in Aussicht.

Brühl digital e. V.

evrbit

Brühl Tourismus

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