Musiker, die wir auch nach Corona noch hören wollen

und solche, denen wir auch vor Corona schon gerne zuhörten

„Classic meets Gypsy“

Bevor es am Sonntagabend an der arg bewölkten Tagebaukante zur eigentlichen Musik ging, machte Bürgermeister Andreas Heller die Anstrengung der Stadt Elsdorf und ihres Kulturteams noch einmal deutlich: „Wir wollen auch nach Corona diese Künstler wieder hören.“ Deshalb habe die Stadt die Konzertreihe „Musik mit Aussicht“ auf „Terra Nova“ aus der Taufe gehoben, dafür Sponsoren gefunden und sei in der Lage volle Gagen zu zahlen.

Klavierstimmer?

Später erzählte der Pianist des Abends Marcus Schinkel, dass ein ihm bekannter Bassist sein Instrument schon verkauft habe und lieber als Klavierstimmer arbeite. Davon stünden immerhin genügend in deutschen Wohnzimmern.

Ausgehend von diesem Gedanken gehört Schinkel keinesfalls zu denen, die auch Klavierstimmer werden wollen, sondern zu einer Initiative Bonner Musiker, die sich genau das private Klavier zunutze machen und für die Besitzer dieser Klaviere in jenen Wohnzimmern ganz private Konzerte, nötigenfalls für eine Person, anbieten.

Infos hier: https://www.privatissimo.org/marcus-schinkel

Aber zurück zum Konzert: gehe es ans Gitarre spielen, so gebe es oft zwei Lager, die einen spielten mit viel „emotionalem Ausdruck“, die anderen brillierten mit „gekonnter Technik“, denkt Dieter Kirchenbauer, selbst erprobter Gitarrist und musikalischer Leiter der Konzertreihe, laut nach. In Joscho Stephan stellte er dem Publikum am vorletzten Abend der Konzertreihe einen vor, der beide Disziplinen mühelos auch noch mit „Spielwitz“ vereine, kurz: „Er ist der beste Gitarrist, den ich persönlich kenne“.

Hier noch ein Blick auf ein anderes Ensemble, in dem Joscho Stephan den Sologitarristen gibt: Absinto Orkestra im Jazzkeller Hürth

„Der nagelt alles weg, was ich ihm vorlege“, sagte Stephans Spielpartner und, für den Abend wichtiger noch, Arrangeur zahlloser Jazzbearbeitungen klassischer Musikkompositionen, der Pianist Marcus Schinkel. Und ganz im Sinne des gemeinsam eingespielten Albums „Classic Meets Gypsy“ nagelte Joscho Stephan auch alles weg, was Marcus Schinkel ihm an Noten vorsetzte, davon konnten sich die Zuhörer selbst überzeugen.

„Der nagelt alles weg, was ich ihm vorlege.“

Marcus Schinkel über Joscho Stephan

Durch die ihm typische Art und Weise des Gitarrenspiels versah er alles mit seinem Fingerabdruck. Das waren unter anderem schnelle Beethoven-Rondos: „Die Wut über den verlorenen Groschen“ oder den dritten Satz aus der „Sonate Pathetique“.

Oder sie spielten Musik eines anderen musikalischen Superstars seiner Zeit, dem die Verehrerinnen die Zigarrenstummel aus dem Aschenbecher klauten, eine Locke aus dem Haar schnitten oder eines seiner Likörgläser stibitzten, und von diesen brauchte er viele, nämlich Franz Liszt „Liebestraum“. Da machte Stephan mit gezogenen Saiten, Blue Notes und reichlich Swing aus dem schwülstigen Traum eine leichter verdauliche Version, bis Schinkel am E-Piano die dräuende Romantik wieder in den Vordergrund stellte.

Auch den Düsseldorfer Champagnerfreund Robert Schumann an der Seite seiner reizenden Gattin Clara ließen die zwei auf ihre Art und Weise im Lied „Nachklänge aus dem Theater“ auferstehen.

Einen meisterhaften Begleiter fand Stephan im wackeren Pianisten zu eigenen Liedern wie der „Ballade pour Django“ und der „Bossa Dorado“. Auch von seinem letzten Album, einem   Beatles-Tribute-Album, spielte Stephan „Can‘t buy me Love“.

Teils nur mit dem Ellenbogen spielte Schinkel Claude Debussys „Reverie“ auf dem geisterhaft klingenden Theremin, jenem Instrument eines Russen, der sich ein Magnetfeld zur Klangerzeugung zunutze machte. Zum gemeinsamen finalen Blues mit Dieter Kirchenbauer als Gast an der elektrischen Gitarre tauschte Schinkel sein Piano gegen ein mundgeblasenes Harmonium.

Trotz Regens blieben die Zuhörer bis zum Schluss und spendeten viel Applaus.

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