Evangelische Gemeinde Lechenich weihte neue Orgel ein

Kompromisslose Darstellung der gesamten Literatur

„Nanu, wo sind denn die Flöten?“, werden sich die wenigsten gedacht haben, die Marcel Duprés „Cortège et Litanie“ lauschten. Als erstes fiel die fehlende Klangfarbe wohl dem Organisten Marc Gornetzki auf, so habe ich meinen Text ursprünglich aufgemacht, dabei fehlten die Flöten gar nicht, wie ich mich gerne belehren ließ, im Gegenteil es waren sogar zu viele. Marc Gornetzki selbst bemängelte den Textanfang als „nicht ganz korrekt“ und beschrieb die vorübergehende Unpässlichkeit der neuen Orgel in einer E-Mail: „In dem ersten Orgelstück gab es eine Fehlschaltung in den Registern. Zu der Flöte, die eigentlich allein erklingen sollte, wurde auch ein hochliegendes, aus mehreren Pfeifen bestehendes Register namens Mixtur gezogen. Das sorgte für die Verwirrung, weil es sich nicht abschalten ließ.“ 

Es war in der zweiten, von insgesamt drei wegen Corona eingeteilten Schichten, in denen die evangelische Kirchengemeinde Lechenich ihre neue Orgel in der Kirche der Versöhnung feierte. Spätestens beim wiederholten, erfolglosen Anspielen ahnten auch solche, die das Stück nicht kannten, da stimmte was nicht.

Erst nach dem Einführungsgottesdienst löste sich das Rätsel um die Flöten, als Walter Friehs, Mitarbeiter des Orgelbauers Hubert Fasen und selbst Mitglied des Presbyteriums, die Klappleiter zur eigens erbauten Plattform mit den Pfeifen herabließ. Es habe sich einer der vielen Stecker gelöst, schilderte er, über die ein Strom zur Steuerung der Ventile hatte fließen sollen. „Wahrscheinlich bin ich beim Arbeiten daran hängen geblieben, durch die Vibration hat der Stecker sich dann ganz gelöst“, so Friehs.

Marc Gornetzki

Dass diese Orgel tiefe Frequenzen in einer Lautstärke erzeugt, die nicht nur Luft in Schwingungen versetzt, davon konnten sich die Gäste in Wilhelm Rudnicks zentraler Komposition zur Reformation überzeugen, der Fantasie über Martin Luthers Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“. Überschrieben ist es nicht umsonst mit „Maestoso“. „Massige, blockhafte und trotzige Akkorde“ wie die Mauern der Wartburg in der Luther Zuflucht vor König und Pabst gefunden haben mag, beschrieb es die Pfarrerin Sabine Pankoke.

Klänge jedenfalls, die erahnen lassen, dass diese Orgel mit ihrem hochmodernen, beweglichen Spieltisch für interessante Konzerte sorgen wird. „Wir haben versucht ein Instrument zu schaffen, auf dem nahezu die gesamte Literatur kompromisslos dargestellt werden kann“, schrieb Kantor Gornetzki in der Festschrift zur Einweihung der Orgel.

Und das sehr im Unterschied zur alten Orgel, die im Sommer letzten Jahres in einem letzten Konzert erklang. Noch während des Musizierens waren ersten Pfeifen demontiert worden. Pfeifen, die mit einem zugekauften Werk und gebrauchten und neu angefertigten Registern zu einem neuen Instrument verbaut wurden.

Den Abschied von der alten Peter Orgel findest du hier

„Mit seinen klanglichen Möglichkeiten strahlt das Instrument sicherlich über die Grenzen Erftstadts hinaus.“

Orgelbaumeister Hubert Fasen

Orgelbaumeister Hubert Fasen hatte sich ebenfalls in der Festschrift geäußert: „Mit seinen klanglichen Möglichkeiten strahlt das Instrument sicherlich über die Grenzen Erftstadts hinaus.“ Und noch ein wenig kraftvoller soll sie spielen, wenn erst die zwei noch fehlenden Register montiert sind, die den Weg aus Portugal wegen Corona mit Verspätung angetreten haben.

Einen klanglichen Leckerbissen kündete Pfarrerin Friederike Schädlich noch nach dem Schlusssegen an, nämlich den Satz „Tanz der Zuckerfee“ aus Tschaikowskys Nussknacker. Wie kaum ein anderes Stück sei es geeignet, das Glockenspiel der Orgel vorzustellen, die Celesta.

Es sind metallene Klangstäbe, die mittels Klöppeln, ähnlich denen eines Klavieres, durch Magnetschaltern angeschlagen werden. „Das haben nicht so viele Orgeln“, erläuterte Friehs.

Überhaupt habe der Orgelbauer Fasen für viele Nuancen gesorgt, die eine unendliche Kombination von Tönen ermögliche. So sei eine feine Klangfarbe wie die Streicher eines Orchesters alten Pfeifen aus England zu verdanken, der seinesgleichen suche, sagte Friehs. 

Außerdem werde die Orgel als launige Zugabe noch noch ein Register für Vogelgezwitscher erhalten, wegen der Straßenbezeichnung „An der Vogelrute“. Es sei mehr ein Scherz der Orgelbauer, so gebe eine gewissen Orgel an der Mosel auf Tastendruck in einem Schubfach eine Flasche Riesling frei, eine andere dem rauchenden Organisten einen Aschenbecher.

Seit der Barockzeit sei das Register für Vogelgezwitscher bereits bekannt, führte Friehs aus, damals noch ausgeführt mit Orgelpfeifen, die kopfüber in einem blubbernden Wasserbad angespielt worden seien.

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