Petition: Existenz freier Journal:istinnen sichern!

Wenn die Terminlage dünner wird

Für all jene, die die Situation hauptberuflich, freier Journalisten kennen, gibt es hier schon mal das Link zur Petition des DJV vorneweg. Hier geht es um die Forderung nach Finanzstütze über die Pauschale der Überbrückungshilfe Plus hinaus.

https://www.openpetition.de/petition/online/nachhaltige-finanzielle-unterstuetzung-fuer-freie-journalistinnen-waehrend-der-corona-pandemie

Alle anderen können hier weiterlesen!

Freie Journalist:innen sind die Allrounder der Nachrichtenbranche. Sie sind eine eigene Spezies in der Liste der soloselbständigen Unternehmer. Ihr Verdienst hängt oft eng von der Schlagzahl der absolvierten Termine auf der Bühne des öffentlichen Lebens ab. Wenn die Terminlage in den Redaktionen aber dünner wird, dann schwindet auch die Auftragslage der Freien. Früher war es das sogenannte Sommerloch, jenes vermeintliche Themenloch in den Sommerferien, wenn die Politik Pause macht, das geeignet war, Löcher in die Haushaltskasse zu reißen. Heute schmälert Corona den Gewinn durch mangelnde Termingeschäfte.

Derzeit hört man aus der Redaktion schon mal bedauernde Worte, „es tut uns ja auch leid, dass es so wenig zu tun gibt“. Das heißt, momentan, während des November Lockdowns, bisweilen gar nichts mehr zu tun ist. Bei Versuchen das Auftragsloch mit eigenen Themenvorschlägen zu stopfen, was früher in Zeiten saurer Gurken vorübergehend entgangenen Verdienst kompensierte, hilft hier auf Dauer nicht weiter. Denn das Honorarsystem ist für solches Arbeiten, für zeitintensiven, investigativen Journalismus, für die allermeisten soloselbständigen Journalisten nur unzureichend geeignet. Okay, es gibt sie auch bei uns, die hoch bezahlten Ausnahmen.

Was sind eigentlich „freie Journalisten “?

Sie machen beinahe alles alleine, was sonst in Redaktionen auf viele Schultern verteilt ist. Darum haben sie ja ihr Büro oder zumindest eine Ecke in der Wohnung eingerichtet mit Telefon, Computerhard- und Software, mit Kameras und Objektiven, mit Video- und Sprachaufzeichnungsgeräten.

Dort, wo einen der öffentliche Personennahverkehr im Stich lässt, im ländlichen Raum nämlich – und der fängt eigentlich unmittelbar vor den Toren einer Großstadt wie Köln an – haben sie zur Wahrnehmung von Terminen oft ein Auto nötig. Ein Auto schon weil ihre Arbeitszeiten jenseits der Regelzeiten für fest angestellte Menschen fallen. Sie arbeiten an Feierabenden, an Wochenenden, an Feiertagen, zu Ostern, zu Weihnachten, bisweilen in Nachtstunden, wenn es um Kriminalitäts- und Unfallberichterstattung geht oder um Demonstrationen, winterliche Waldräumungen etc..

Für ihren Einsatz gibt es keinen bezahlten Urlaub. Von Weihnachtsgeld oder dem dreizehnten Monatsgehalt dürfen sie allenfalls träumen, ebenso von Lohnfortzahlung im (Covid-19)-Krankheitsfall oder der Bildung von Rücklagen für eine Zeit nach dem Job oder in Krisenzeiten.

Bezahlt werden freie Journalisten in der Regel auf Honorarbasis. Geld, das sich je abgelieferter Arbeit in der Regel nach der Anzahl der gedruckten Zeilen und Fotos orientiert, oder auch nach Länge des Sprach- und Filmbeitrages bei den Sendern. Davon bezahlen sie außerdem noch ihre Beiträge zu Krankenkasse, zu Renten- und Pflegeversicherung, freilich der Künstlersozialkasse sei Dank zu ermäßigten Tarifen.

Zeitpauschalen werden seltener bezahlt, je nach Arbeitgeber auch gar nicht. Ansprüche an den Zeitrahmen, also wie schnell Beiträge geliefert werden sollen, gehören hingegen zum Alltag. Die baldige Deadline ist die Regel.

Eines lernen Freie ganz schnell: Honorare zahlen viele Arbeitgeber aus dem Kreis des Zeitungsverlags- und Senderwesens zwar mit monatlicher Pünktlichkeit, gerne aber spärlich. Bei den Tageszeitungen geht es immer noch spärlicher. Da beschäftigen angesehene Verlage ihre Rechtsabteilungen damit Verträge mit wahren Finessen des Honorarrechts auszuarbeiten, um bestehende Vergütungsregeln auszuhebeln. Die gelten nämlich eigentlich für hauptberuflich an Tageszeitungen tätige freie Journalisten schon seit Anfang des Jahrtausends, als sie zwischen Verdi, dem DJV und dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger e.V. beschlossen wurden.

Reden wir mal Klartext: freie Journalist:innen sind billige Arbeitskräfte, ihre Arbeit wird in der Regel nicht dem Aufwand entsprechend vergütet. Dementsprechend kommen sie nur durch Masse – bei oftmals journalistischer Klasse – auf ihren monatlichen Schnitt, und an Masse fehlt es dieser Tage einfach.

Wer denkt, der Autor dieses Blogs jammere auf hohem Niveau, der schaue sich die Auswertung eines DJV-Fragebogens zur Situation der Freien in der Coronapandemie an:

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