Funkamateur Heinz Schlagheck überwindet „Social Distancing“ gleich weltweit

Silent Keys aus Frankreich

Die Welt der drahtlosen Telegrafie ist seit den Anfängen zum Beginn des 20. Jahrhunderts geprägt von vielen Abkürzungen. Die Ziffernfolge „SOS“ als Notruf kennt auch im heutigen, digitalen Zeitalter noch jeder. Mit „CQ“ beginnt üblicherweise ein Dialog, es ist die Abkürzung für „Come Quickly“ und ist der weltweit bekannte Aufruf an alle Funker, die in der Lage sind, das gesendete Signal zu empfangen, darauf schnell zu antworten.

Die Abkürzung „SK“ bedeutet in der Funksprache „Silent Key“, also „stille Taste“. „SK“ angefügt an die international einmalige Rufnummer eines Funkamateurs teile anderen Funkern dessen Tod mit, erzählt Heinz Schlagheck.

Während des Corona-Lockdowns im Frühjahr als die Todeszahlen in Italien und Frankreich einen traurigen Höhepunkt erreicht hatten, habe er aus Frankreich am Funkgerät im Keller seines Einfamilienhauses eine nicht enden wollende Reihung von Silent Keys empfangen. Seiner Bitte um Konversation habe der Sender der Botschaft nicht stattgegeben, er habe statt dessen weiter sein telegrafisches Gedenken zu Ehren vieler verstorbener Amateurfunker gesendet.

Rund um den Globus

Etwas vergleichbares habe er noch nicht erlebt, sagt der 80-jährige, dessen Herz seit seiner Kindheit für den Amateurfunk schlägt. Als 14-jähriger habe er schon erste Weltempfänger aus einfachen elektronischen Bauteilen zusammengebastelt. Auf der einen Seite sei es immer die Technik gewesen, die ihn fasziniert habe, auf der anderen Seite die Aussicht auf ein Gespräch, einen Dialog, einen Austausch mit anderen funkbegeisterten Menschen, führt Schlagheck in einem Gespräch auf der Terrasse seines Hauses aus. Dazugekommen ist auch Stefan Unger, seit elf Jahren ist der 58-jährige der Vorsitzende des Ortsvereins Hürth im Deutschen Amateur Radio Club. 

Seit 1980 ist Schlagheck unter der Kennung DL3KAS im Sprechfunk und in der Telegrafie auf dem Kurzwellenband unterwegs, nachdem er die ersten Herausforderungen in Beruf und Familie meisterte. Eine Auswahl von etwa 4000 QSL-Karten auf der Pinwand über seiner technischen Ausrüstung, Postkarten, mit denen sich Funker gegenseitig ihren Kontakt bestätigen, dokumentieren Funkkontakte rund um den Globus, nach Japan, Kanada, USA, Australien.

Urkunde für Hilfe während des Hurrikans Andrew.

Eine Urkunde erinnert ihn an einen Funkspruch, den er am 24. August 1992 aus Florida empfing. dem Urlaubsort zweier Funkamateure gewütet, die ihn gebeten haben, mit der Nachricht „Uns geht es gut“ ihre Schwester anzurufen, die sich damals in Berlin aufhielt, erinnert sich Schlagheck. „People helping People“ haben die beiden Funker namens Ursula CP1BW und Walter CP1CM aus La Paz in Bolivien, die Dankesurkunde in Erinnerung an jene Nacht überschrieben.

Funken mit „Spirit“…

Das Dokument beschreibe treffend Geist der Amateurfunker, die unausgesprochene Verpflichtung die technischen Fähigkeiten im Notfall zur Verfügung zu stellen, erklärt Unger. Es seien italienische und österreichische Funkamateure gewesen, die beispielsweisein den ersten Stunden der Lawinenkatastrophe von Galtür im Februar 1999 überhaupt auf das Unglück aufmerksam gemacht hatten. Auch in der neuen Hürther Feuerwache sei ein Raum für die Funkamateure eingerichtet, um im Bedarfsfall Feuerwehrleute kommunikativ zu unterstützen.

…und mit dem Taster

Schlagheck gehört zu den Funkamateuren, die die Telegrafie mittels Taster und Morsealphabet lieben. Die Kunst der Morsetelegrafie sei übrigens 2014 in das deutsche Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden, weiß Schlagheck. Sie erlebe zur Zeit wegen ihrer Einfachheit eine Renaissance, ergänzt Unger, in Hürth gebe Jürgen Wagner (DL4KE) Morsekurse. Da lerne man das Alphabet, „jeder Buchstabe hat einen eigenen Klang“.

Die Leidenschaft für das Morsen hatte einer aus dem gleichen Ort beim Jungen aus Neviges bei Velbert erweckt, nämlich Karl Stellberger, bei Amateurfunkern bis zu seinem Tod als DJ2DX bekannt. Durch seine guten Beziehungen zum dortigen evangelischen Pfarrer habe er es fertig gebracht eine 40 Meter lange Antenne von seinem Küchenfenster zum Kirchturm zu spannen, schildertSchlagheck heute.

Beim Funken legt Schlagheck besonderen Wert darauf mit möglichst einfachen Geräten und so wenig Leistung wie möglich, maximal fünf Watt, so weit wie möglich zu senden. Es ist vergleichbar einer Wettkampfdisziplin in Funkkreisen, sie nennen es dort „QRP“.

Stefan Unger funkt auch mit dem Smartphone.

Funken mit der App

Wie Funken aber auch über das Smartphone mit der App Echolink funktioniert, zeigt Unger im kurzen Gespräch mit einem Amateur in Berlin Spandau, dabei zeigt er sogleich die Tugenden der Funkamateure, es wird ein guter Umgangston gepflegt. „Und das ungeachtet, Hautfarbe, Religion oder politischer Überzeugung“, sagt Unger.

Freilich sei die Zahl der Funkamateure angesichts der Allgegenwart digitaler Kommunikationskanäle geschrumpft, sagt der Vorsitzende. Der Hürther Ortsverein sei zum Auffangbecken für Erftstädter wie Schlagheck geworden, für Kölner und Brühler Funkamateure.

Immerhin seien die 83 Mitglieder wieder verstärkt im Band zu finden, so Unger. Und seien zu früheren Präsenzversammlungen sonst nur bis zu 25 Menschen gekommen, so nähmen an den Versammlungen, die sie wegen Corona neuerdings über eine UKW-Ortsfrequenz abhielten, mehr als doppelt so viele Funkamateure teil. Nur an Neuanmeldungen mangele es nach wie vor. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.