Zweiteiler Burgen und Schlösser des Altkreis Bergheim: hier geht es um Burggeschichte

Spannender Zweiteiler: So beispielhaft, wie selten ist Kooperation zwischen den Kommunen Kerpen und Bergheim. Wie daraus ein zauberhafter wie lehrreicher Abend zum Thema Schlösser und Burgen im Rhein-Erft-Kreis werden kann, zeigten drei Geschichtsjecke an einem Abend im Schloss Loersfeld.

Da traten Astrid Machuj, die Vorsitzende des Bergheimer Museumsverein und Markus Potes, als Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Heimatkunde Quadrath-Ichendorf 1985 e.V.  an, um nach langer Pause, Leuten endlich wieder das Gruseln zu lehren. Nämlich mit Erzählungen von einschlägigen Sagengestalten aus der Region (Link) Im Vortrag von Susanne Harke-Schmidt, Vorsitzende des Heimatvereins Kerpen und Stadtarchivarin in der Kolpingstadt, ging es um teils nicht minder haarsträubendes, faktisches Geschichtswissen zu den Kerpener Burgen. Übrigens waren es die zwei Frauen gewesen, die den gemeinsamen Abend in Kooperation beschlossen hatten.

Vielen Dank an das Stadtarchiv Kerpen für das tolle Bildmaterial.

Hohe Dichte an Schlössern und Burgen

Die Ausstellung in den Räumen des Bergheimer Museumsvereins „Schlösser und Burgen im Altkreis Bergheim“ empfahl Susanne Harke-Schmidt als Vorsitzende des Heimatvereins Kerpen und Stadtarchivarin sehr. Mehr als 35 Schlösser und Burgen stelle die Ausstellung vor. Eine unglaubliche und kaum vergleichbare Dichte an Schlösser und Burgen im Kreisgebiet, deren Schönheit sich am besten mit dem Fahrrad erschließe.

Rückeroberung der Kerpener Burg durch die Spanier, 1579 (Stadtarchiv Kerpen)

Kerpener Burg

Kerpen habe einige zu bieten, die Kerpener Burg etwa, die seinerzeit von den Spaniern in einer beispiellosen Machtdemonstration eingenommen worden sei, mit Geschützlärm aus so vielen Kanonen, das es bis Köln zu hören gewesen sei. Eine Zeichnung zeige die vormaligen Herren, die Niederländer, an den Bäumen aufgeknüpft. Mehr als nur ein Hügel sei von der Ende des 16. Jahrhunderts wieder wunderhübsch aufgebauten Kerpener Burg heute nicht übrig geblieben, danach sei sie noch häufiger Gegenstand kriegerischer wie baukonzeptioneller Absichten gewesen.

Übrigens sei die Kerpener Burg  wahrscheinlich die Burg gewesen, wo sich Jan von Werth Anfang des 17. Jahrhunderts eingeschrieben habe, in den 30. jährigen Krieg zu ziehen, spann Harke-Schmidt den Bogen zum Historienspiel „Jan und Grieth“ der beiden Bergheimer, Machuj und Potes.

Stadtarchiv Kerpen: Aus dem Skizzenbuch von Rolshausen, der Handschrift über wehrtechnische Anlagen in der Gothaer Forschungsbibliothek und Renier Roidkin Zeichnung von Hammersbach.

Drei Wasserburgen: Hemmersbach, Türnich, Bergerhausen

Anders die drei heute noch stattlichen Wasserburgen. Die in Hemmersbach sei bekannt als Burg derer von Trips mit ihrem berühmtesten Spross, dem Rennfahrer Wolfgang Graf Berghe von Trips. Als kunstgeschichtlich bedeutendstes Haus gelte das Schloss Türnich wiederaufgebaut als „Maison de Plaisance“ auf alten Mauern im Rokokostil. Die Grafenfamilie Hoensbroech, die das Haus 1850 als Schnäppchen vom letzten derer von Rolshausen, ein Mann mit hohen Spielschulden, gekauft habe, „rette das wertvolle Ensemble für uns alle“, so die Stadtarchivarin.

Übrigens wie es um den Türnicher Schlosspark bestellt ist, könnt ihr hier auf Nahbesprechung.net nachlesen.

Und da sei die wehrhafte Burg Bergerhausen. Von der letzteren sei erst kürzlich ein Grundrissplan entdeckt worden, in einer Forschungsbibliothek in Gotha nämlich, in einer Handschrift über wehrtechnische Anlagen aus dem 17. Jahrhundert, sie habe es kaum glauben können, sagte Harke-Schmidt. Übrigens seien darauf die Funktion der zwei ganz unterschiedlich dimensionierten Türme abzulesen, der wehrhafte linke Turm der Wasserburg im Beritt des Kurfürstentums Köln, sei dem „spanischen Kerpen“ zugewandt gewesen, der rechte dem Ortskern Blatzheim.

Schloss Loersfeld

Dem Haus aber, in das die befreundeten Geschichtsvereine ihre Gäste geführt hatten, nämlich Schloss Loersfeld mit seinem quadratischen Wohnturm, inmitten des zehn Hektar großen Parks galt der Löwenanteil des Vortrages von Susanne Harke-Schmidt. 1262 sei der Ort zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden, ein Hof zwischen dem Parrig und Lörsfelder Busch. Erst Familie Spieß von Büllesheim habe im 15. und 16. Jahrhundert ein Schloss daraus gemacht mit dem typischen quadratischen Wohnturm. Bis in die Neuzeit habe sich Schloss Loersfeld ohne kriegerische Zerstörungen entwickeln können.

Umfangreich sei die Zahl der Gerichtsakten des Kerpener Schöffengerichtes im Stadtarchiv, datiert von 1608 bis 1742, bezüglich des Schlosses Loersfeld zu Steuer- und Pachtangelegenheiten, Besitz- und Erbstreitigkeiten führte die Archivarin aus. Zu einer der „putzigsten Akten“ zählte sie eine von 1647,

eine „Deflorationsklage“ (hier ist ein Link zum Stadtarchiv)

Darin habe der Pächter seinen Pferdeknecht verklagt, er habe seine minderjährige Tochter defloriert, also „entjungfert und dabei blöderweise auch noch geschwängert“.

Mit Hilfe eines Trankes aus der Kalmuswurzel habe der Sohn des Pferdeknechtes eine Abtreibung bewirken wollen. Damit der Trank bei dem Mädchen wirke, habe er dazu drei Nächte nackt auf ihrem Bett sitzen müssen. Es sei dann doch alles herausgekommen.

„Den Adel im Herzen“

Bürgerlich sei es auf Loersfeld lange zugegangen, 1799 lebten eine vierköpfige Familie, ein Spirituosenhändler und zehn Bedienstete auf Loersfeld, das Eigentum eines Kölner Kaufmannes gewesen sei, Georg Albert Reinecker. 1819 habe er es an Familie von Fürstenberg verkauft. In der Ahnentafel des Adolph von Fürstenberg, dem Nachweis über 16 adlige Ahnen habe man einen „zauberhaften Zusatz“ lesen können über eine nicht ganz so lupenreine Verbindung mit einer Bürgerlichen, so die Archivarin. Statt der üblichen Abbildung eines Adelwappens sei da zu lesen, die Dame habe „den Adel im Herzen“.

Aber auch die Machenschaften des Naziregimes schlagen sich in Akten zum Schloss nieder. In so genannte Schutzhaft sei der Kommunist Ludwig Dreesen am 28.4. 1933 genommen worden. An seinem Wohnort auf Schloss Loersfeld versteckten die Angeklagten die Druckmaschinen für verbotene Veröffentlichungen. Zum Zeitpunkt seiner Inhaftierung war seine Frau Sofia mit dem fünften Kind schwanger. Mit seiner Frau und vier Töchtern lebte er zunächst auf Schloss Loersfeld, später in Kerpen, Düren und Manheim, 1951 sei der siebenfache Vater im Alter von 53 Jahren gestorben.

Renovierung 1990er Jahre

Spannende Bilder präsentierte Susanne Harke-Schmidt in einem für den Burgerhalt wichtigsten Kapitel, nämlich die umfassende Sanierung der gesamten Anlage in den 1990er Jahren. Die Affinität zum Schloss und zu gutem Essen mündeten nämlich im Plan des heutigen Hausherren Thomas Bellefontaine dort ein Restaurant zu eröffnen. Dabei sei eine längst verschütt gegangene alte Pferdetränke gefunden wollte, der heutige Springbrunnen.

http://www.schlossloersfeld.de

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