Weckruf für Politik und Kulturszene im Dortmunder Konzerthaus

„Erstes Chorkonzert mit Publikum seit Corona“

„Die Schöpfung“ sei ohnehin ein symbolträchtiges Werk, sagt Raphael von Hoensbroech. Seit langem schon sei die Aufführung des Werkes zur festlichen Saisoneröffnung geplant gewesen, ursprünglich mit dem Royal Concertgebouw Orchestra, dem Collegium Vocale Gent und Philippe Herreweghe. Aus probentechnischen Gründen hatte dieses Projekt allerdings schon nicht realisiert werden können. Eine Verschiebung der Aufführung mit dem Balthasar-Neumann-Ensemble unter der Leitung von Thomas Hengelbrock sei darum wegen Corona nicht in Frage gekommen, erläutert der Intendant des Konzerthauses im Telefongespräch am Samstagmittag auf dem Weg nach Rotterdam zur Saisoneröffnung vom Rotterdam Philharmonic Orchestra mit Lahav Shani.

Die Verwendung des Orchesterfotos, aufgenommen während des Konzertes von Bjørn Woll/Pixelreich und des Porträts von Raphael von Hoensbroech von Pascal Amos Rest erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Konzerthauses Dortmund.

Mit der Aufführung des großen Chorwerkes im Dortmunder Konzerthaus am Donnerstag, 3. September 2020 entrang der Intendant der großen Komposition einmal mehr von ihrer Symbolkraft und schaffte damit den Sprung in die handverlesenen Meldungen der Tagesschau im Ersten. Als „Erstes Chorkonzert mit Publikum seit Corona“ geht es dort in die Nachrichtengeschichte ein.

90 Choristen und Musiker ohne Abstand und Mundschutz

90 Choristen und Musiker musizierten vor etwa 700 Zuschauern und das ohne ohneAbstand oder Mundschutz. Als einen „Weckruf“ als ein „musikalisches Licht“, das erneut angezündet werden wolle, verstehe er die Aufführung des Werkes, sagte Raphael von Hoensbroech zum Beginn des Konzertes.

Die Pandemie werde uns wohl noch lange beschäftigen, jetzt gehe es darum Wege zu finden, wie es Corona zum Trotz in der Aufführung musikalischer Werke weitergehen könne, erläuterte Raphael von Hoensbroech im Telefonat zwei Tage nach dem Konzert. Da seien Musiker und Veranstalter herausgefordert, Lösungen zu suchen. Vor allem aber gehe es ihm darum, Druck auf die Politik auszuüben, Kultur endlich ernst zu nehmen.

Finanzielle und Identitätskrisen

Die Corona-Regelungen, kämen für viele, insbesondere aberfür die Choristen einem Berufsverbot gleich, sagte Raphael von Hoensbroech. Nicht allein, dass Künstler mit dem Abbruch des Konzertbetriebes seit Mitte März von heute auf morgen auf ihr Einkommen hatten verzichten müssen, vielestürzten in existentielle Identitätskrisen, weil ihnen dergewohnte künstlerische Ausdruck fehle.

Freilich werde ein Abend wie dieser mit einer tiefergreifenden Interpretation des Haydn-Werkes zwar beispielhaft, aber vorerst noch die Ausnahme bleiben, denn das Hygienekonzept dieses Chorkonzertes sei rigoros gewesen, so von Hoensbroech weiter. Während der Probenarbeit seien die Musiker drei Mal auf Corona getestet worden und hätten sich in einem Hotel in persönliche Quarantäne begeben, gänzlich unter Verzicht auf Familienkontakte, schildert von Hoensbroech. DerAbstimmungsaufwand für ein gelingendes Konzert, das bis zuletzt wegen Infektionsgefahr auf der Kippe gestanden habe, sei „gewaltig“ gewesen.

Auch wenn die Behörden das Hygienekonzept allesamt für schlüssig erachtet hätten, so sei doch immer wieder betont worden, dass die Verantwortung einzig beim Veranstalter liege, sagte von Hoensbroech.

Am 7. Juni hatte das Konzerthaus mit einem Orchesterkonzert mit viel Abstand und einem Viertel des 1550 Menschen fassenden Saales den Betrieb wieder aufgenommen.

www.konzerthaus-dortmund.de

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